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Wie beeinflussen Gerüche unser Leben?

Ich komme in ein Zimmer, es riecht nach frisch gebackenen Keksen und nach Früchtetee. Der Duft nach frisch gewaschener Wäsche und einem Parfum, dass mir bekannt ist, steigt mir in die Nase – ich fühle mich zu Hause.


An was hat euch diese Situation erinnert? Vielleicht habt ihr an eure Grosseltern gedacht oder an eure Eltern? Sehnt ihr euch nach eurer Tante, welche immer eure Lieblingskekse backt? Denkt ihr an das Waschmittel aus eurer Kindheit?

Gerüche verändern unser Leben, sie machen es lebendig. Die Sonnencreme erinnert uns an den Sommer, das Parfum von Calvin Klein erinnert an den besten Freund, das Waschmittel erinnert an Zuhause.

Wir assoziieren Gerüche mit bestimmten Personen und Situationen. Sie funktionieren fast wie ein eingebautes Warnsystem: Riecht es nach Rauch, denken wir an Feuer und können reagieren. Der Geruchssinn ist gerade für blinde Personen sehr wichtig. Durch ihn können sie zum Beispiel Personen wiedererkennen. Aus diesem Grund haben wir uns bei unserem neuen Blog für dieses Thema entschieden:

Was der Geruchsinn für folgende Personen bedeutet, lest ihr hier.

Zu den Personen

Veronika Weber:

Mein Name ist Veronika, ich bin 57 Jahre alt, Tagesmutter und habe einen eigenen Laden, welcher aufgrund der momentanen Situation geschlossen ist.

Mein Statement: Ich gehe am Morgen nie aus dem Haus ohne einen Spritzer Parfum.

Mein Lieblingsduft: meine gelben Rosen oder der Geruch von Sommerregen.


Priska Plump:

Mein Name ist Priska. Ich bin 36 Jahre alt. Ich bin Mami eines neun Monate alten Buben und arbeite nebenbei 50% beim Radio SRF. Ich wohne auf dem Land, bin dauerverliebt und komme ursprünglich aus dem Graubünden.

Mein Statement: Der Duft spielt eine grössere Rolle als man meint.

Dazu gilt es die Geschichte zu kennen, wie sie ihren Freund Nik kennen gelernt hat. Nik hat ein super Parfum. Sie denkt immer wieder an ihre erste Begegnung, als er sie mit seinem guten Geruch umgehauen hat.

Mein Lieblingsduft: mein Freund Nik und der Geruch der Berge – und Sonnencreme.

Theres Moser:

Ich hatte gerade Geburtstag und bin 88 Jahre alt geworden. In diesem Haus hier bin ich mittendrin und fühle mich wohl.

Mein Statement: Von draussen kommen viele Gerüche – manchmal gute und manchmal weniger gute.

Mein Lieblingsduft: Rosen

Michael Ryser:

Mein Name ist Michael Ryser, ich arbeite bei Swisscom im ersten Lehrjahr als Mediamatiker. Ich bin 16 Jahre alt. Ich spiele gerne Fussball, fotografiere und bin allgemein gerne draussen.

Mein Statement: Das Schönste am Frühling ist der Duft der Blumen.

Mein Lieblingsduft: Blumenblüten z.B. bei einem Apfelbaum.

Irene Stucki:

Ich heisse Irene und bin eine stolze "1976lere". Aufgewachsen bin ich im schönen Saanenland, aber lebe schon lange in Bern. Bekannt bin ich für meine Kreativität – jedoch arbeite ich sehr strukturiert. Schon seit 25 Jahren arbeite ich für Swisscom. Momentan bin ich im Bereich Events und Sponsoring tätig. In meiner Freizeit tanze ich gerne und bin sehr gesellig. Eine meiner grossen Leidenschaften ist Essen und Trinken. Die Restaurantgänge mit Freunden fehlen mir in der jetzigen Corona-Zeit sehr.

Mein Statement: Nichts riecht besser als der Duft von «Zuhause».

Mein Lieblingsduft bei Männern, ohne Wenn und Aber: Jean-Paul Gaultier – Le Male

Bei Frauen ist es etwas schwieriger, aber meine Lieblingsparfüme sind:

- Oilily Flowers

- Byblos

- Azurée Soleil by Tom Ford Estee Lauder Collection

- In Love Again by Yves Saint Laurent.

Zudem fehlt mir das Gloria-Perfume-Haarshampoo, welches bereits seit langer Zeit nicht mehr produziert wird.

Marcel Rösch:

Ich bin ein Duftfreak. Schon in der siebten Klasse liebte ich es, im Coop Düfte zu riechen. Meine ersten Parfums kaufte ich mit 13 Jahren. Unterdessen gehe ich mit meiner Seelenverwandten alle zwei Monate stundenlang im Globus oder anderen Geschäften Parfums testen und meine Finanzen ruinieren.

Mein Statement: jemanden riechen mögen.

Mein Lieblingsduft: Mein Lieblingsduft ist abhängig von der Jahreszeit. Im Herbst und Winter mag ich die schweren Düfte von Jean-Paul Gaultier Le Male, Tom Ford Noir oder Ginger.

Wichtig ist dabei wohl der Amber Extrakt. Ein Parfum muss eine ausgewogene Note aus Kopf, Herz und Basisnote haben.

Im Sommer stehe ich eher auf leichte fruchtige Düfte wie Clean Reserve oder Tom Ford Neroli Portofino.


Wieso sind Düfte eigentlich in unserem Alltag wichtig?

Der olfaktorische Sinn nimmt nur eine kleine Prozentzahl unserer Umgebung wahr. Das Unterbewusstsein entscheidet aber in Millisekunden, ob wir jemanden riechen mögen oder nicht, führt Marcel aus. Alle Interviewpartner sind der Meinung, dass Düfte in unserem Alltag eine grosse Rolle spielen. So auch, ob wir uns an einem Ort wohlfühlen oder nicht. Veronika sagt, dass sie an einem Ort, an dem es gut riecht, gerne etwas länger verweilt. Hingegen an einem Ort, an dem es stinke, gehe sie so schnell wie möglich wieder weg. Irene erzählt ausserdem, dass sie durch Düfte oft auch in Erinnerungen schwelgen kann. Düfte und Gerüche beeinflussen unsere Gefühlslage, ergänzt Priska. Für Michael ist der Geruchssinn sogar der drittwichtigste Sinn.

Gehört unser Duft eigentlich zu unserer Identität? Wenn ja inwiefern?

Auch hier sind sich meine Interviewpartner einig. Sie sind alle davon überzeugt, dass der Geruch zur Identität gehört. Theres sagt, dass dies schon früher so war und dass blinde Menschen sehr viel mit dem Geruch arbeiten. Priska erzählte mir, dass sie letztens in der Stadt gewesen sei und ein Parfum gerochen habe. Dadurch musste sie sofort an eine bestimmte Person denken, welche dasselbe Parfum trage. Wenn sie in den Ferien Heimwehgefühle habe, vermisse sie auch den Geruch, der zu Hause in der Luft liegt. Aus diesem Grund können sich Menschen bei einer einzelnen Person zu Hause fühlen, weil man sich daran orientiert, wie es riecht. Marcel sagt, dass der Geruch einer Person sogar zur DNA gehöre. Sie beinhaltet den natürlichen Geruch, aber auch ein Teil des Konzepts mit Duschgel, Parfum und anderen Dingen. Auch Irene ist der Meinung, dass der eigene Duft unverkennbar ist. Jedoch ist es auch wichtig, dass man darauf schaut, dass ein Parfum zu einem passt und man nicht einfach eines kauft, weil es gerade im Trend ist. Michael findet, dass der Duft zum Auftreten gehört und eines der ersten Dinge ist, die einem bei einer anderen Person auffallen.


Kann der Duft eine Person unsympathisch machen? Wenn ja, wieso?

Der Duft entscheidet sehr stark, ob wir jemanden mögen oder nicht. Daher kennen wir die Redewendung: «Ich kann dich nicht riechen.» Dies hat auch Theres erwähnt. Irene sagt, dass dies, gerade wenn man einen Geruch mit einer schlechten Erinnerung oder Erfahrung verbindet, der Fall ist. Marcel meint dazu: «Ich bin überzeugt, dass du jemandem mit angenehmem Atem eher etwas abkaufst oder glaubst, als wenn er nach Zwiebeln, Knoblauch oder Alkohol stinkt.» Alle Interviewten sind der Meinung, dass jemand der stinkt, automatisch als ungepflegt abgestempelt wird. Frischer Schweiss nach sportlichen Aktivitäten oder nach einem Sonnenbad kann auch animalische Anziehung auslösen, wendet Marcel ein.


Gerüche haben einen starken Einfluss auf unseren Alltag. Bei der Wahl des richtigen Parfums spielen aber alle Sinne eine grosse Rolle.

Somit kommen wir zu einem kurzen Exkurs in die Wissenschaft in Bezug zur Erlebbarkeit von Marken über Multisensorik.


Der Nobelpreisträger Khaneman teilt unser Hirn in zwei Systeme. Er unterscheidet zwischen schnellem und langsamem Denken. System 1 ist die Intuition. Sie folgt Mustern und knüpft an Erfahrungen an, ist schnell und energieeffizient. Es funktioniert ohne bewusste Steuerung. Das zweite Denken bezeichnet er im System 2 als das langsame und äusserst anstrengende Denken. Es verursacht einen höheren Blutdruck, die Muskeln spannen sich an, die Pupillen der Augen vergrössern sich und sogar der Herzschlag erhöht sich leicht. Es kommt bei komplexen Aufgaben, Entscheiden zur Handlungsfreiheit und bei hoher Konzentration zum Zug. System 1 arbeitet viel öfter, obwohl System zwei glaubt, es sei durch die Logik und Rationalität System 1 überlegen, was falsch ist.

System 1 kennen wir als Bauchgefühl oder aufkeimende Erinnerungen, wie sie weiter oben Priska beim Erkennen eines Parfums in der Stadt beschreibt. Die Intuition nimmt ohne bewusste Wahrnehmung Eindrücke auf, verwertet sie und löst eine Reaktion aus. Unbewusste Stimuli sind stärker als bewusste.

Dabei spielen alle 5 Sinne sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken eine grosse Rolle. Es sind die Softfacts, die schnell und unterbewusst analysiert werden und Entscheide steuern. Diese Intuition muss eine Marke/ein Brand bewusst steuern und sich damit von anderen Marken differenzieren.

Obwohl fast 90% visuell wahrgenommen wird, dürfen gerade Marken die anderen Sinne nicht ignorieren- insbesondere bei blinden und sehbehinderten Menschen scheint das logisch.

10 Mio. Bits pro Sekunde werden an unser visuelles Verarbeitungszentrum geschickt. Lediglich 100'000 Bits werden über die Ohren aufgenommen. Die Nase nimmt genau gleichviele Bits auf. Die Haut allein verarbeitet 1 Mio. Bits pro Sekunde. Die Zunge verarbeitet läppische 1000 Bits. Das planerische und entscheidende Arbeitsgedächtnis hat lächerliche 50 Wahlmöglichkeiten pro Sekunde. Es braucht keinen mathematischen Abschluss, die Probleme vom logischen Denken zu erkennen. Nur 0,1% der Informationen kommen beim bewussten Entscheidungsbereich an. Da wäre es ja gelacht, wenn wir die Sinne nicht berücksichtigen, welche die 95% unterbewusste Intuition bzw. unser Bauchgefühl beeinflussen.

Wie wir sehen, sind also nicht nur Gerüche in unserem Alltag extrem wichtig. Ein Zusammenspiel aus allen fünf Sinnen ermöglicht uns, die Welt in voller Pracht wahrzunehmen. Das bedeutet jedoch nicht, dass beeinträchtigte Menschen dies nicht können. Wenn ein Sinn wegfällt, verstärken sich die anderen. Und wie schon der Fuchs zum kleinen Prinzen gesagt hat: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."


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